Samstag, 4. September 2010

Historisches zum Ort des Puchheimer Golfplatz – Die Planie – Vergebene Chance für Ehrung eines Ortsentwicklers?

Ich freute mich sehr über den Kommentar von Johannes Haslauer hier im Blog.


Auch seine Kommentare auf der Mekur-Online zum Thema Straßennamen der Golfplatz Zufahrt hat mich ein wenig inspiriert und ein bißchen was zusammengetragen (ich hoffe daß Herr Haslauer nichts dagegen hat wenn ich Teile seiner Beiträge hier wiederverwende).

Schade, daß aus dem Vorschlag von Herrn Wuschig (zweiter Bürgermeister der Puchheimer Gemeinde, UBP) die Zufahrt zum Golfplatz Julius-Einhorn-Straße zu nennen, nichts wurde – Siehe mein Blog Eintrag vom 2.9.2010 – Der Sommerausschuß hatte am 31.08.2010 sich entschieden die Golfplatzzufahrt pragmatisch „Am Golfplatz“ zu nennen.

Es fällt auf: Die UPB war nicht immer uneingeschränkt pro Golfplatz, aber bringt hier wirklich einen Beitrag der seinen Sinn gehabt hätte – Die Geschichte von Ort wird bei anderen Themen immer so wichtig genommen. Und warum finden sich nur drei „Mitstreiter“ im Gemeinderat? Wo waren da die Stadtenwickler die sich immer bei solchen Themen melden?

Wie läuft das eigentlich wenn eine neue Strasse gebaut wird und ein neuer Namen gefunden werden muß?
Legt das ein Gremium fest? Wer zahlt schafft an? Oder ist unsere Gemeinde mit einen Mitarbeiter besetzt der sich dann diese „Namen“ ausdenkt (am Roggenfeld, zum Bahnhofplatz, Am Kreisel, an der Tanke, Um´s Eck...)???

„Herr Kränzlein (Am.d.V.: Der Puchheimer Bürgermeister) ich hab Abends nach Sonnenuntergang noch ein wenig Zeit, ich helf gerne bei der Namenfindung von neuen Straßennamen“

Nein, keine Kritik, nur bekäftigt mich sowas, meine Lebensplanung - neben der Handicap-Verbesserung, zudem in die Politik zu gehen - zu erweitern. Lässt sich auch prima kombinieren.

So, wer war nun dieser Julius Einhorn?

Julius Einhorn ist nicht einfach nur der Mann, der den „Müll nach Puchheim brachte“, wie Rainer Zöller (Sportreferent der Gemeinde Puchheim) laut Berichterstattung der SZ urteilte.

Er ist eine Gründerfigur für Puchheim-Bahnhof, eine Art „Ortsgründer“ oder „Ortsentwickler um die Jahrhundertwende“. Der 1866 geborene jüdische Geschäftsmann gründete 1897/98 zusammen mit der Stadt München die für damalige Verhältnisse auf hohem technologischen Niveau arbeitende Firma zur Verarbeitung, Verwertung und Lagerung des Münchner Hausmülls, wo vorher nur ein paar Torfstiche bestanden.

Die Stadtverwaltung München schließt am 27. April 1897 mit der Firma "Hausmüllverwertung München" einen Vertrag. Darin verpflichtet sich die Stadt, der Gesellschaft den gesamten Hausunrat ohne Ausnahme zur Trennung in verwertbare und nicht verwertbare Teile zu überlassen. Die GmbH erwarb dort 85 ha Land und begann mit dem Bau der Hausmüllfabrik.

Die Stadt München ist verantwortlich für den Transport des Mülls nach Puchheim. Sie zählte neben den Abfallverwertungsfabriken in Budapest und Chicago zu den ältesten Anlagen zur Mülltrennung in der Geschichte und verwertete bis 1949 täglich bis zu 100 Waggons Hausmüll aus München.

Dazu werden die Harritschwagen (eine Erfindung aus München-Giesing) mitsamt Müll auf Bahnwaggons verfrachtet. Dieses System besteht nahezu unverändert bis zum Ende des 2. Weltkriegs.



Auf dem eigentlichen Fabrikgelände entstanden noch im selben Jahr das Direktionsgebäude, Arbeiterunterkünfte, Darre, Düngerfabrik, ein Waschhaus für Textilabfall und Lumpen sowie ein Lagerhaus. Der Betrieb wurde termingerecht am 1. Juli 1898 aufgenommen. Bereits um die Jahrhundertwende arbeiteten etwa 200 Personen in Einhorns Fabrik, 1902 wurde die Anlage um eine Leimsiederei und eine Superphosphatfabrik ergänzt.

Der angelieferte Müll wurde noch am gleichen Tag verarbeit. In einem ersten Schritt wurde der Feinmüll ausgesiebt und chemisch zu Kunstdünger verarbeitet. Der Grobmüll wurde am Fließband händisch sortiert. Wiederverwertbare Materialien wie Knochen, Metall, Lumpen und Papier wurden teils direkt weiterverarbeitet, teils als Rohstoff verkauft. Nicht verwertbares Material wurde auf den zum Unternehmen gehörenden Moorflächen deponiert. Um der steigenden Müllmengen Herr zu werden, erweiterte man das Deponiegelände nach und nach auf rund 170 ha. Noch heute ist die teilweise bis zu 5 m hohe Aufschüttung südlich der Bahnlinie gut zu erkennen.

Die Angestellten ließen sich mit ihren Familien rund um die Fabrik nieder und gründeten somit das spätere Puchheim-Bahnhof eigentlich erst. Infolgedessen wurde 1899 der bestehende Bahnhaltepunkt zum Bahnhof aufgewertet.

Einhorns Firma engagierte sich zudem für die Infrastruktur im Ort: für Kirche, Wirtshaus und Schule.

Einhorn war auch Mtiglied der Akademie für Aviatik, die den Flugplatz gegründet und betrieben hat.
Julius Einhorn verstarb 1929 in München


Der Mann muss eine zukunftsorientierte Natur gewesen sein. Leider finde ich keine weitereführende Info´s im Netz was aus Julius Einhorn wurde oder Bilder von Ihm.

Spannende Geschichte, die den Golfplatz m. E. zusätzlich aufgewertet

Infos, Bilder und Texte zu Julius Einhorn aus Wikipedia, Website der Gemeinde Puchheim und Flugfeld Puchheim sowie der AWM


Kommentare:

rebel hat gesagt…

Danke für die Aufklärung wer dieser J.E. war. Schöner Lesestoff und vor allem sehr Informativ.

bis denne
rebel

Tom hat gesagt…

Danke rebel.
gratuliere zum Turnier-Gewinn...
Lg, Tom

rebel hat gesagt…

Na ja, Gewonnen schon - aber eben nur wie ;)
Da kann ich nur von Glück sagen das die Favoriten noch schlechter gespielt haben...

Du kennst doch sicher den Witz:
Die Frau kommt vom Damenausflug zurück. “Na, wie war dein Golfspiel?” fragt ihr Mann. “Ach ja, auf der eins habe ich eine zwölf gespielt, auf der zwei eine zehn, dann eine siebzehn, eine dreizehn und dann noch mal eine zwölf.”
“Au weia”, meint ihr Mann, “und was war dann?” Sie: “Dann kam nur noch Scheiße.”

So ähnlich sah das Favoritensterben bei uns aus. :D

Johannes Haslauer hat gesagt…

Im Interesse der Erforschung der Ortsgeschichte geb ich natürlich gerne meinen Segen zur "Verwertung" meiner Textbeiträge. Na, das ist doch mal was. Inspiriert so eine kleine ortsgeschichtliche Debatte Tom gleich, in die Politik zu gehen. Find ich gut. Da sage noch einer, Ortsgeschichte sei langweilig und bedeutungslos;-) Viele Grüße!

Johannes Haslauer hat gesagt…

Wer sich näher für Julius Einhorn interessiert: brandneue Rechercheergebnisse aus den Archiven zu ihm gibt's ab kommenden Freitag, 7. Oktober 2011, in der Ausstellung "Jüdische Bürger in Puchheim - Eine Spurensuche in der Vergangenheit". Vielleicht kriegt er dann ja doch noch irgendwann seine Straße!
http://puc.puchheim.de/index.php?id=63&tx_netupticketmachine_pi1%5Bevent%5D=27040

LINK zu GolfCity München • Puchheim