Anbei ein Kommentar des Bauherrn von Golfcity Puchheim zu Golf in Deutschland
Quelle: Welt.de vom 25.7.2012
Die Welt 25.07.12
Gastkommentar
Golf leidet in Deutschland unter zu viel Bürokratie
Künstlich komplizierte Regularien bremsen das Wachstum
Von Alexander Freiherr von Spoercken
Die Schüco Open der Golfprofis auf Gut Kaden am kommenden Wochenende mit Martin Kaymer, Bubba Watson, Ian Poulter, Miguel Angel Jimenez und vielen anderen internationalen Stars werden eindrucksvoll beweisen, wie attraktiv Golf ist. Warum aber betreiben in Deutschland immer noch nicht mehr als 650.000 Menschen diese schöne Sportart? Warum ist Golf in Deutschland ein immer noch schlafender Riese?
Tatsache ist: Der Sport hat ein enormes Potenzial, die Entwicklung ist vielversprechend, und die Zukunft sieht positiv aus. 4,1 Millionen Deutsche würden nach neuesten Untersuchungen gern Golf spielen. Allerdings ergeben sich daraus zwei interessante Fragen: Warum ist dieser Riese noch nicht vollends geweckt worden? Und wie gelingt dieses "Wecken" schnell und erfolgreich?
Es sind drei Hauptfaktoren, die bislang immer noch das Wachstum einer der attraktivsten Sportarten überhaupt hemmen: Regularien, die künstlich kompliziert gehalten werden, der immer kostbarer werdende Faktor Zeit und ein falsches Image.
Die Regularien: Golf ist eigentlich nicht kompliziert, wird aber von einem Monopolverband künstlich kompliziert gehalten. Wer dieses wunderbare Spiel spielen möchte, sieht sich zahlreichen Hindernissen ausgesetzt. Er muss Mitglied in einem Klub sein. Der Klub wiederum muss Mitglied im Deutschen Golf Verband (DGV) sein, darf aber trotzdem nur ein begrenztes Kontingent an Mitgliedern aufnehmen. Klubausweise sind meist mit albernen silber- und goldfarbenen Hologrammen versehen, nur damit zusätzliche Informationen über die Identität des Spielers ermittelt werden können.
Das größte Golf-Verhinderungsinstrument aber ist die sogenannte Platzreife. Menschen, die Golf spielen möchten, müssen derzeit in Deutschland vor dem Spiel eine Prüfung abgelegt haben, die sogenannte Platzreifeprüfung. Nun macht es sicherlich Sinn, einen Pilotenschein zu machen, bevor man ein Flugzeug führt, oder einen Jagdschein, wenn man in Wald und Feld mit einem Gewehr hantieren möchte. Leute aber, die mit dem Argument die Golf-Platzreife verteidigen, man dürfe schließlich auch nicht ohne Führerschein mit dem Auto fahren, haben leider nichts verstanden. Platzreifeprüfungen sind in vielen Ländern, gerade auch in großen Golfnationen, völlig unbekannt. Auch in Deutschland sind sie unnötig. Was wir statt all der Vorschriften brauchen, sind Freiheit und Eigenverantwortlichkeit. In diesem Fall gilt also: Keine Regeln sind die besten Regeln.
Die Zeit: Auch der Faktor Zeit spielt eine Rolle. Für die heutige Gesellschaft dauert herkömmliches Golf einfach zu lange. Wer Golf spielt, möchte dieses Vergnügen in seinen Arbeitsalltag oder seine Freizeit integrieren. Mit den traditionellen Klubmodellen ist dies nur bedingt möglich. Was tun? Statt einmal 18 sollten wir zweimal neun oder dreimal sechs Löcher anbieten. Selbst in Schottland, dem Geburtsland des Spiels, gibt es aktuell Pläne, statt 18-Loch-Plätze künftig nur noch Plätze mit dreimal sechs Löchern zu bauen, um für eine jüngere Klientel attraktiv zu werden. Und Frankreich hat den Zuschlag für den Ryder Cup 2018 auch deshalb bekommen, weil der damalige Präsident Nicolas Sarkozy versprochen hat: Ich lasse 100 Kurzplätze in Stadtnähe bauen. Es ist auch kein Zufall, dass die Clubhaus AG mit ihrem Konzept GolfCity unlängst in London den Award für das beste Zukunftskonzept auf dem europäischen Golfmarkt gewonnen hat.
Das Image: Leider ist es bis heute so, dass Golf immer noch als überteuerter Sport älterer Herren dasteht. Das ist grundlegend falsch. Eine Mitgliedschaft in einem Golfklub kostet heute weniger als eine Mitgliedschaft in einem Fitnessklub. Und auch junge Leute finden mehr und mehr Gefallen an diesem Spiel. Mehr als zehn Prozent der deutschen Golfspieler sind Kinder; die Tendenz ist steigend. Sportarten wachsen mit ihren Helden aus dem Fernsehen. Tennis wurde zum Volkssport, als Steffi Graf und Boris Becker das Publikum vor dem Fernseher verzauberten. In Golf-Deutschland gab es Bernhard Langer - vor langer Zeit. Der aktuelle Held heißt Martin Kaymer. Er ist ein großartiger Sportler, aber mit zwei Problemen: Zum einen ist er nicht so ein auffälliger und für den Boulevard interessanter Typ wie seine Kollegen Bubba Watson, Ricky Fowler oder Rory McIlroy. Zum anderen werden Turniere nur in einem Bezahlsender mit - an guten Tagen - ein paar Tausend Zuschauern übertragen. Das ist für einen Golf-Boom leider zu wenig.
Veranstaltungen wie die Schüco Open auf Gut Kaden sind daher für unseren Sport ein Segen. Wir müssen dankbar sein für solche Initiativen. Sie helfen mit ihrer Professionalität und Attraktivität. Golf hat das Potenzial zum Breitensport, wenn die Weichen richtig gestellt werden.
Alexander Freiherr von Spoercken (65) ist Vorstandsvorsitzender der Clubhaus AG. Das Unternehmen besitzt Premium-Golfanlagen auf Schloss Lüdersburg bei Hamburg und Stuttgart, betreibt und entwickelt das Anlagenkonzept GolfCity und bietet mit der Deutschen Golf Marketing GmbH Golfprodukte wie Mitgliedschaften, Vorteilskarten oder Golfportale an. Zudem ist von Spoercken Präsident des Bundesverbandes Golfanlagen e. V., dem Verband deutscher Golfunternehmer, und Vizepräsident der Vereinigung europäischen Golfplatzbetreiber (EGCOA).